Erste Eindrücke und Erfahrungen mit Passivhaus-Wärmedämmung

temperaturen_passivhausHinter uns liegen nun einige Tage, in denen die Außentemperaturen tagsüber relativ weit entfernt von 20 Grad liegen und nachts gab es vereinzelt schon Frost. Und jüngst kam tagsüber die Sonne nicht mehr durch, sondern es war durchgängig bewölkt. In unserer alten Mietwohnung (gebaut um 1990 herum) hätten wir inzwischen definitiv heizen müssen.

In unserer neuen Bleibe hingegen haben wir es weiterhin angenehm temperiert – ganz ohne Heizung. Somit macht sich aktuell in Bezug auf den Heizbedarf für uns erstmals wirklich bemerkbar, dass wir in einem Passivhaus leben. Wir hatten zu keinem Zeitpunkt unter 20 Grad (was für mich sowas wie die „magische Grenze“ darstellt); auch früh am Morgen nicht. Und sobald wir uns in einem Raum aufhalten (und am „besten“ auch noch Verbraucher wie Laptop oder Fernseher einschalten, die ja ebenfalls Wärme erzeugen), steigt die Temperatur dann auch immer auf über 21 Grad an. Das ist für uns absolut ausreichend.

Unsere ersten Eindrücke/Erfahrungen mit unserem Passivhaus sind in dieser Hinsicht also ziemlich zufriedenstellend. Klar, so richtig kalt ist es draußen noch nicht, insofern ist das auch nicht so richtig spektakulär, was ich hier jetzt berichte. Aber auch nicht „selbstverständlich“, wie der Vergleich zeigt: Wie es zum Beispiel in einem recht neuen Bau von 1990 derzeit in der Praxis aussieht, konnte ich am Wochenende bei einem Besuch beobachten. Dort lief die Heizung zwar auch noch nicht – dafür waren dort als Resultat aber nur 17 bis 18 Grad Raumtemperatur zu verzeichnen. Für mich persönlich viel zu kalt.

Etwas „spektakulärer“ wird unsere „gute“ Temperatur auch noch dadurch, dass wir derzeit zu zweit ja eine eigentlich zu große Fläche bewohnen (127 Quadratmeter), die durch unsere Körpertemperaturen und die elektrischen Verbraucher allein somit schwerer warm gehalten werden kann. Zumal wir berufsbedingt logischerweise auch nicht permanent anwesend sind. Und so richtig viel und ausgiebig kochen wir auch nicht, sodass sich auch die Wärmeabstrahlung dadurch nur unterdurchschnittlich auswirkt. Auch der Einsatz von Kerzen hält sich noch stark in Grenzen. Ich bin jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt angesichts dieser Umstände sehr zufrieden und bin gespannt, wann wir zum ersten Mal werden heizen müssen.

Was aber fairerweise auch erwähnt werden sollte: Positiv ins Gewicht für den Nichtheizbedarf fällt bei uns hingegen sicherlich, dass wir die Lüftungsanlage meistens nur auf der niedrigsten Stufe 1, statt der eigentlich „Normalstufe“ 2 (von insgesamt 3) am Laufen haben, sodass dadurch weniger warme Luft entweicht und durch kältere von draußen ersetzt werden muss (der Wärmetauscher hat schließlich keinen Wirkungsgrad von 100 Prozent ;)). Bei nur zwei Bewohnern halte ich die niedrigere Lüftungsstufe für vertretbar. Außerdem lassen wir nachts die Rollläden herunter, die vermutlich auch noch ein wenig „dämmen“ (andererseits „fressen“ die Rollladenkästen wiederum auch ein wenig Platz bei der Wand-Dämmung). Zudem handelt es sich bei unserem Passivhaus ja um ein Reihenhaus, sodass wir nicht nur Außenwände haben, wie es ja bei einem freistehenden Haus der Fall wäre.

Physik widerlegt? – Wärme steigt offenbar doch nicht nach oben
Eine interessante Beobachtung habe in in Bezug auf die Temperaturen noch im Dachgeschoss gemacht. Dies ist bei uns ja „offen“, also ohne Tür über das Treppenhaus zu erreichen. Meine Befürchtung war, dass im Winter die ganze Wärme nach oben geht und es dort wärmer ist als unten, wo wir uns tagsüber primär aufhalten.

Doch zumindest zum jetzigen Zeitpunkt ist dies (noch?) nicht der Fall; es ist sogar kälter weniger warm 😉 als unten. Die Wärme verbleibt also primär tatsächlich in den Räumen, in denen sie durch Körperwärme und Wärmeabstrahlung von Elektrogeräten entsteht, erhalten. Trotz fast überall permanent geöffneter Innentüren.

Das überrascht mich einigermaßen, da es gegen die physikalischen Gesetze geht. Oder aber das Thermometer im Dachgeschoss geht schlichtweg falsch, was natürlich auch sein kann… 😉

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Haustechnik, Kurioses, Passivhaus-Dämmung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Erste Eindrücke und Erfahrungen mit Passivhaus-Wärmedämmung

  1. Martin sagt:

    Was sagt denn der Energieausweis deines Hauses über den zu erwartenden Bedarf?
    Und in wie fern deckt sich diese Angabe mit deinen Beobachtungen?

    MArtin

  2. Nils sagt:

    Für Heizung werden 19,6 kwH/(m²xa) errechnet. Allerdings habe ich keinerlei „Gefühl“ zu dieser Zahl, sodass ich es nicht in Bezug zur Realität setzen kann.

    Zumal ein Passivhaus als solches im ersten Jahr wohl auch noch nicht zu 100 Prozent funktioniert, da noch relativ viel Feuchtigkeit im Bau steckt. Das sorgt dafür, dass mehr geheizt werden muss. Allerdings weiß ich gar nicht mehr, wo ich das mal aufgeschnappt habe. Vielleicht stimmt das auch gar nicht…

  3. Pingback: Das erste Mal Heizen im Passivhaus › Passivhaus-Bautagebuch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert