Bemusterung mit kleinen negativen Überraschungen

Heute war ja nun unser erster Termin mit dem Bauleiter/Projektleiter. Zum einen war er zum Kennenlernen gedacht, zum anderen aber auch, um eine „Bemusterung“ durchzuführen. Allerdings ist der Begriff im heutigen Zusammenhang etwas „übertrieben“, denn allzu viele Entscheidungen wurden heute nicht getroffen. Denn die meisten Entscheidungen treffen wir dann im Zusammenspiel mit der Baufirma des jeweiligen Gewerkes.

Somit ging es heute nur um wenige Entscheidungen. Auch Änderungen des Grundrisses wären noch möglich gewesen, dies nahmen wir aber nicht mehr in Anspruch. Lediglich den Anschlag des Küchenfensters wechselten wir und wir hielten nochmals zusätzlich fest, dass wir – abweichend von der Standardausführung – Fenster ohne Mittelsprosse wünschen.

Treppe: Buche oder Kiefer, geölt oder lackiert?
Die größte Entscheidung war dabei eigentlich die Wahl der Treppe. Standardmäßig konnten wir zwischen Buche und Kiefer wählen. Wie die (lt. Projektleiter) meisten Käufer nahmen wir Buche. Denn Kiefer hat den Nachteil, dass es „weicher“ und somit auch empfindlicher ist. Beim Geländer hatten wir die Wahl zwischen Stahlstäben und Holzstäben. Diese Entscheidung fiel uns ebenfalls leicht: Holz. Die Holzstäbe sind zwar etwas klobiger, aber haben unseres Erachtens einfach mehr Stil als so eine Stahloptik. Die erinnert mich irgendwie immer an Billigmöbel und das wirkt nur wenig hochwertig.

Außerdem durften wir wählen, ob die Treppe geölt oder lackiert werden soll. Darüber hatte ich mich vorab schon im Internet informiert, daher fiel die Wahl recht leicht: Geölt soll es werden. Das hat vor allem den Vorteil, dass die Treppe nicht so rutschig ist, als wenn sie lackiert wäre. Somit kommen wir dann ohne irgendwelche „Läufer“ aus, die die Treppe verschandeln. Außerdem sind eventuelle Schäden leichter zu beheben, als wenn Lack abplatzt. Gut, dass ich mich vorher im Internet informierte, denn ich hatte das Gefühl, dass der Projektleiter eher zur lackierten Variante geraten hätte.

Allerdings bedarf eine geölte Treppe etwas mehr Pflege, da sie schneller unansehnlich wird als eine lackierte. Dann muss sie abgeschliffen und neu geölt werden. Das ist wohl der Hauptnachteil. Aber das müssen wir eben in Kauf nehmen. Ohnehin muss so eine Treppe bei uns nicht viel aushalten, da wir stets in Hausschuhen unterwegs sind.

Liste mit allen am Bau beteiligten Firmen
Wenn wir möchten, können wir uns aber auch noch umentscheiden und gegen Aufpreis auch noch ganz andere Holzarten auswählen. Dazu können wir Kontakt mit der dafür zuständigen Firma aufnehmen.

Da wir vom Bauträger eine Liste mit allen am Bau beteiligten Firmen erhielten, ist eine Kontaktaufnahme problemlos möglich. Auch bei den anderen Gewerken.

Teilweise ~ sechs Prozent zu viel gezahlt
Bei den meisten Kategorien beließen wir es beim Standard bzw. Sonderwünsche waren schon im Kaufvertrag enthalten. Hätten wir vorher gewusst, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt noch alles mögliche wie Rollläden etc mit hereinnehmen können, hätten wir das auch erst jetzt getan. Denn dadurch, dass das alles im Kaufvertrag stand, fielen dafür auch die 1,5 Prozent für den Notar und 4,5 Prozent für die Grunderwerbssteuer an. Wir haben effektiv also nochmal 6 Prozent drauf gezahlt für die Sonderwünsche. Ärgerlich. Aber nun nicht mehr zu ändern…

Aufräumen mit falschen Grundannahmen
Nun zu den anderen ärgerlichen Dingen, die ich im Titel andeutete: Erstens nimmt die Lüftungsanlage im Dachgeschoss viel mehr Raum ein, als in den Zeichnungen für uns ersichtlich war. Darauf wies uns auch der Makler nicht hin, obwohl es mehrfach um die Lüftungsanlage im Dachgeschoss und ihre Einhausung ging. Auf diese verzichteten wir im Endeffekt, da uns die vorgeschlagene Einhausung überdimensioniert erschien – nun wissen wir, warum die Einhausung so groß geraten sollte. Nämlich weil sie so groß sein muss. Wir haben sie nun nachträglich doch noch reingenommen, weil die Lüftungsanlage in ihren großen Ausmaßen dann doch zu unansehnlich wäre. Kostenpunkt: 450 Euro. Plus Malerarbeiten (Eigenleistung).

Auch das zweite Ärgernis kreiden wir teilweise dem Makler an: Dadurch, dass wir die Fliesen als Eigenleistung vollbringen (bzw. an einen befreundeten Fliesenleger vergeben), sind gleichzeitig auch die Innen-Fensterbänke aus dem Leistungskatalog herausgefallen. Das erklärt im Nachhinein auch die relativ hohe Gutschrift für die Fliesen (verkleinert somit aber auch die potenzielle Ersparnis). Zwar steht das auch so in der Bauleistungsbeschreibung, ich hatte das beim Lesen aber so interpretiert, dass damit die (gefliesten) Fensterbänke im Badezimmer und Gäste-WC gemeint gewesen wären und habe dem daher keine weitere Bedeutung beigemessen. Ich finde auch, dass einem das der Verkäufer ruhig sagen dürfte, dass damit auch die Fensterbänke herausfallen, da sich dies einem ja auch nicht automatisch erschließt. Zum Glück geht es aber nur um vier Fensterbänke (da die bodentiefen Fenster und die in Bad und WC ja ohne auskommen)

Nun zum dritten Ärgernis: Im Dachgeschoss ist noch ein zweiter Heizkörper nötig. Dieser ist (angeblich) zwingend vorgesehen, um die errechneten Werte zu erreichen. Da es sich ja um ein Passivhaus handelt, darf davon auch nicht abgewichen werden (daher dürfen wir beispielsweise leider auch im klitzekleinen Gäste-WC nicht auf den Heizkörper verzichten). Von diesem zweiten Heizkörper hörten wir zum ersten Mal am Tage des Notartermins (vor sechs Tagen) und weigerten uns da, ihn mit in den Kaufvertrag zu nehmen, da wir uns „überrumpelt“ fühlten. Aber leider ist er laut Projektleiter alternativlos, sodass wir diese 350 Euro auch noch investieren müssen.

Ich wette, dass wir den Heizkörper in der Praxis niemals benötigen werden. Meine Erfahrung zeigt, dass auch in größeren Räumen ein Heizkörper ausreicht. Auch, wenn es dann vielleicht etwas länger dauert, bis es warm wird. Aber gerade in einem Passivhaus hält sich der Heizbedarf doch sowieso schwer in Grenzen…

In all diesen negativen Punkten unterstelle ich aber keine böse Absicht, da der Makler auf uns durchweg sehr aufrichtig wirkte. Dennoch werde ich ihn meine Unzufriedenheit darüber in den nächsten Tagen aber noch wissen lassen.

Restliche Wahlen fielen leicht
Doch nun wieder zu den positiven/neutralen Dingen: Für Gäste-WC und Badezimmer haben wir uns gegen Klarglas entschieden. Das kostet zwar einen Aufpreis, aber wenn man durch ein Plissee einen Sichtschutz herstellen wollen würde, würde dies ähnlich viel kosten.  Und man müsste es bei jedem Gang auf die Toilette betätigen oder permanent unten/oben lassen.

Wir hatten die Wahl zwischen „Chincilla“-Glas und satiniertem Glas. Wir wählten letzteres, da es zum einen stilvoller aussieht und ich auch das Gefühl habe, dass es blickdichter ist und weniger „erahnen“ lässt als das Chincilla-Glas. Allerdings habe ich die Befürchtung, dass das satinierte Glas zu „modern“ ist und uns möglicherweise schon in wenigen Jahren nicht mehr gefällt.

Denn generell haben wir uns entschlossen, alles möglichst zeitlos zu gestalten und keinen aktuellen Trends zu folgen. Denn diese sind nur allzu schnell überholt und wirken dann unangenehm veraltet. Vor allem bei den Fliesen wird das wohl noch eine schwere Wahl werden… – doch zum Glück stand diese Entscheidung heute noch nicht an.

Ebenfalls eine leichte Entscheidung war für uns die Farbe der Jalousien. Dort gab es nur die Wahl zwischen Weiß und Silber. Die Entscheidung fiel einstimmig für Weiß. Passt ja auch besser zu den Fenstern.

Die Haustür belassen wir – wie auch alles restliche – beim Standard. Bedeutet: Einen langen Längs-Lichtausschnitt in Klarglas, damit möglichst viel Licht in den Flur kommt. Zur Not kann man die Scheibe ja auch noch mit entsprechenden Aufklebefolien nachträglich „satinieren“, falls wir uns dann doch zu sehr beobachten fühlen sollten…

Insgesamt war der heutige Termin sehr angenehm. Der Bauleiter ist sympathisch und auch sehr kommunikativ. Das halte ich für extrem wichtig. Und sehr kompetent wirkte er auch. Ich denke, mit ihm haben wir es sehr gut getroffen.

PS: Genaue Bezeichnung des heutigen Tagesordnungspunktes war übrigens der sperrige Begriff „Konstruktions- und Detailfestlegungsprotokoll“. Wirkt irgendwie wie ein Begriff von vor 50 Jahren. 🙂

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2 Antworten auf Bemusterung mit kleinen negativen Überraschungen

  1. Hi Nils,

    mensch da habt ihr ja „vorab“ schon richtig viel bemustert.

    Das mit der Treppe fand ich sher hilfreich, denn das steht bei uns auch umgehend an.

    Gruss aus Neuenhagen bei Berlin

  2. Nils sagt:

    Findest Du? Ich hatte mich gedanklich schon auf viel, viel mehr eingestellt als ich „Bemusterung“ hörte. Ich bin aber froh, dass wir jetzt noch nicht alles entscheiden mussten. Ich fühlte mich so schon leicht überfordert. 😉

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